Nicht nur unsere Stadt steht vor einer enormen Herausforderung: Die Geburtenzahlen sind in den letzten Jahren drastisch eingebrochen. Die Hauptursache dafür liegt im Geburtenknick nach der politischen Wende, denn die damals noch geburtenstarken Jahrgänge bis 1990 sind nun allmählich mit der eigenen Familienplanung fertig. Es fehlen nun die jungen Erwachsenen, die ihrerseits den Grundstein für die nächste Generation legen können. Diese demografische Entwicklung war schon lange absehbar, weshalb ich dies in meiner Stadtratsarbeit bereits seit Jahren immer wieder thematisiert habe.

Bereits im Wahlkampf zur Oberbürgermeisterwahl habe ich angemahnt: Um die Kosten für die Eltern (durch die Elternbeiträge) nicht explodieren zu lassen, müssen wir dringend die Standortplanung in Angriff nehmen und – das ist leider unabwendbar – auch Standorte in Frage stellen. Wichtig war und ist mir dabei, dass alle Ortsteile (also auch Wildbach und Alberoda) ihre Kita-Einrichtung erhalten können. Diese stehen auch nicht zur Debatte. Fassen wir das Thema jedoch nicht an, werden die enormen Kosten für die Überkapazitäten einerseits den Eltern auferlegt, andererseits tragen sie die Steuerzahler unserer Stadt. Mein Fokus liegt auf einer Kinderbetreuung, die eine bestmögliche Qualität zu erträglichen Kosten bietet.

Deshalb ist es unumgänglich, dass in Bad Schlema eine Kita-Einrichtung geschlossen werden muss. Es wird nur eine der beiden Einrichtungen – also Kita Kohlweg („Kneipp Knirpse“) oder Bergstraße („Bewegungskindergarten“) – weiterbetrieben werden können. Ansonsten hätten wir in wenigen Jahren zwei halb leere Einrichtungen, die mit vollen Kosten zu Buche schlagen.

Aktuell befinden wir uns mitten in der politischen Debatte darüber, welche Standortwahl die langfristig bessere ist. Dabei stehen natürlich finanzielle Fragen genauso im Mittelpunkt wie die Betreuungsqualität in der künftig vereinigten Einrichtung. Denn perfekt sind beide Häuser nicht: Die Bergstraße ist stark baufällig, dafür ist ihr Standort bezogen auf den Ortsteil Schlema sehr zentral. Die Kita Kohlweg ist erst vor einem Jahrzehnt durchsaniert worden und baulich in einem intakten Zustand, aber eher am Rand des Ortes gelegen und vom Zuschnitt der Räume (z. B. Krippe im Dachgeschoss) suboptimal. Ich selbst – und alle meine drei Kinder – wurden in der Kita Kohlweg betreut, weshalb ich eine emotionale Befangenheit hier ganz klar eingestehen muss. Aus finanzieller Sicht ist zu beachten, dass die ehemalige Villa auch veräußerbar sein dürfte – z. B. um Eigenmittel für die Sanierung oder einen Neubau in der Bergstraße zu erzielen. Das Gebäude der Kita Bergstraße wird im gegenwärtigen Zustand nicht veräußerbar sein, zumal hier auch noch Räumlichkeiten der Bergbrüderschaft untergebracht sind, die ansonsten ein neues Obdach bräuchte.

Ich möchte Ihnen, liebe Mitbürger, offen sagen: Ich habe mich noch nicht abschließend entschieden. Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht vernünftig, da noch längst nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen und noch nicht alle Argumente ausgetauscht wurden. In dieser Woche wird es zunächst eine Besichtigung der beiden Einrichtungen geben, bei der wir uns vor Ort noch einmal ein Bild der Lage machen wollen.

Am Dienstag, den 17. November, wird es um 18:00 Uhr im Kultursaal des Schlemaer Rathauses eine Sondersitzung des Ortschaftsrates Bad Schlema geben, in der sich in öffentlicher Runde intensiv mit diesem Thema befasst werden wird. Ich möchte alle Bürger und Eltern, die sich für die Zukunft der Kita-Landschaft in Bad Schlema interessieren und ihre Argumente und Einwände einbringen wollen, einladen, an diesem Abend unserer Sitzung beizuwohnen. Eine wirklich gute und kluge Entscheidung können wir nur finden, wenn alle – vom Personal bis zur Bürgerschaft – angehört und einbezogen werden! Zum jetzigen Zeitpunkt möchte ich keine einseitige Positionierung versprechen. Aber meine Zusage gilt auch bei diesem Thema: Ich setze mich dafür ein, dass wir eine vernünftige Lösung finden, die nicht von Einzelnen protegiert wird, sondern das Produkt einer offenen Debatte sein wird!

Lassen Sie uns den Abend des 17. November nutzen, um gemeinsam das Pro und Contra abzuwägen! Bis dahin sollten wir alle gemeinsam die Gedanken ordnen und Argumente sammeln.

Stefan Hartung
Ortschaftsrat in Bad Schlema
Stadtrat der Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema