Der eine oder andere kennt es vielleicht noch: Das ehemalige Zentralorgan der sozialistischen Einheitspartei (SED) im Bezirk Karl-Marx-Stadt, die – damals wie heute: – selbstironisch benannte „Freie Presse“. Deren Mitarbeiter aus dem Auer-Lokalteil Namens Jürgen Freitag schrieb mich kürzlich mit der Bitte an, ihm ein paar Fragen zu beantworten. Am nächsten Tag folgte am späten Abend noch die dringende telefonische Bitte, dies doch möglichst schnell bis zum 27. April zu erledigen, was erfolgte. Nun ist schon eine Woche vergangen und von meinen Antworten, die angeblich so dringend gebraucht wurden, war nichts zu lesen, während man die Mitbewerber sogar zum Vor-Ort-Gespräch einlud.

Damit sich die breite Öffentlichkeit dennoch ein Bild darüber machen kann, welche Antworten ich dem hiesigen Zentralorgan der neuen Einheitspartei gegeben habe, stelle ich den Schriftverkehr hier unzensiert zur Verfügung:

Frage:
Was ist Ihr Konzept zur Belebung der Innenstadt?

Antwort:
Eine lebendige Innenstadt setzt zunächst Sicherheit voraus – viele Bürger meiden den Gang in die Stadt momentan bewusst, weil sie sich dort nicht sicher fühlen. Das will ich wieder ändern! Eine Innenstadt lebt von Frequenz und Atmosphäre: durch attraktive Geschäfte, gepflegte Plätze, Wohnen im Zentrum und Veranstaltungen, die Familien wie Senioren gleichermaßen ansprechen. Dazu gehört für mich ein wieder jährlich stattfindendes Stadtfest ebenso wie eine spürbar bessere Aufenthaltsqualität öffentlicher Plätze: mit Grün, Sitzgelegenheiten und einem Umfeld, in dem man sich gerne aufhält.

Frage:
Wie können Händler und Gewerbetreibende unterstützt werden?

Antwort:
Mein wichtigstes Instrument wird der Gewerbe-Stammtisch beim Oberbürgermeister sein – als regelmäßiges Forum, in dem Probleme direkt benannt, Ideen gesammelt sowie diskutiert und Lösungen verabredet werden. Hinzu kommen schnellere Genehmigungsverfahren durch eine konsequent digitalisierte Verwaltung, ein verlässlicher Winterdienst, gepflegte Infrastruktur und ein klares Bekenntnis zum wohnortnahen Einzelhandel. Auch der flächendeckende Glasfaser-Ausbau ist Standortfaktor. Wo immer möglich, will ich die Stadt als Partnerin – nicht als Bremserin – des Mittelstands erlebbar machen.

Frage:
Wie lässt sich das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken?

Antwort:
Sicherheit ist das Fundament jeder Stadtentwicklung – ohne sie bleibt die Innenstadt verwaist. Der Beschluss zum Asylnotstand im April 2025 war überfällig, hat aber einiges in Bewegung gebracht; jetzt müssen fortlaufend Taten folgen. Ich werde bei Polizei, Landrat und Ministerpräsident mit Nachdruck einfordern, dass Straftäter konsequent verfolgt und Abschiebungen tatsächlich vollzogen werden. Vor Ort braucht es sichtbare Polizeipräsenz an den Brennpunkten und das klare Signal: Wer unsere Regeln respektiert, ist willkommen – wer sie missachtet, hat hier nichts verloren.

Frage:
Wie lässt sich der hiesigen Wirtschaft unter die Arme greifen?

Antwort:
Den Unternehmen vor Ort müssen wir den Rücken freihalten: schlanke Verwaltung, schnelle Genehmigungen, verlässliche Infrastruktur und ein Glasfasernetz. Mit dem Händler- und Unternehmerstammtisch schaffe ich einen festen Draht zwischen Rathaus und Wirtschaft. Bei Bauvorhaben werden alle Medienträger frühzeitig eingebunden, um Synergien zu heben, statt Straßen mehrfach zu sperren und Unternehmen sowie Handwerker auszubremsen. Zugleich werde ich potentiellen Investoren den sprichwörtlichen roten Teppich ausrollen, damit sie hier dauerhaft Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen.

Frage:
Wie gewinnt die Stadt wieder finanziellen Handlungsspielraum, um aus der aktuellen Finanzmisere rauszukommen?

Antwort:
Wir müssen aufhören, Geld in Projekte zu stecken, die vor allem untragbare Lasten erzeugen – das Millionengrab Clemens-Winkler-Club steht dafür beispielhaft. Ich werde die Verwaltung konsequent digitalisieren, dadurch Personalkosten dauerhaft senken und gleichzeitig den Bürgerservice modernisieren. Außerdem brauchen wir wieder mehr Steuerzahler durch Zuzug und Gewerbeansiedlung, sowie ein Ende der Politik, die fiskalische Disziplin vergessen hat. Wie man hier im Erzgebirge gerne sagt, müssen wir künftig „zammnammisch“ sein!

Frage:
Wie setzen Sie sich für die Entwicklung der Gewerbegebiete ein?

Antwort:
Bestehende Gewerbeflächen will ich gemeinsam und bedarfsorientiert mit den Unternehmen entwickeln, die Erweiterungen beabsichtigen oder eine Erst-Investition in Aue-Bad Schlema in Betracht ziehen. Für Neuansiedlungen werde ich aktiv Investorenansprache betreiben und unsere Standortvorteile – Lage, Verkehrsanbindung, Fachkräfte, Lebensqualität – offensiv vermarkten. Wichtig sind mir kurze Wege im Rathaus: Wer in Aue-Bad Schlema investiert, soll einen festen Ansprechpartner haben und schnelle, verbindliche Antworten bekommen, statt im Behördendickicht zu versinken.

Frage:
Was kann man tun, damit die Stadt für junge Familien attraktiv ist?

Antwort:
Junge Familien brauchen Verlässlichkeit: bezahlbare und qualitativ gute Kita-Plätze, sichere Schulwege, einen wohnortnahen Einzelhandel sowie eine ausreichende ärztliche Versorgung. Genau hier setze ich an – von möglichst niedrigen Kita-Elternbeiträgen, über den Erhalt der Schulstandorte bis zur Attraktivierung von Freizeitangeboten. Hinzu kommt familiengerechter Wohnraum in Kooperation mit den kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen. Und ganz entscheidend: ein Sicherheitsgefühl, das den Familien das Leben in unserer Stadt wieder unbeschwert macht.

Frage:
Wie lässt sich das gesellschaftliche Engagement in Vereinen fördern?

Antwort:
Unsere Vereine sind das Herz der Stadt – ohne ihr ehrenamtliches Engagement wäre vieles undenkbar. Ich will den direkten Austausch mit Vereinsvertretern fest verankern und die Zusammenarbeit mit der Verwaltung entbürokratisieren. Die Nutzung städtischer Liegenschaften soll für Vereinstätigkeiten unkompliziert ermöglicht werden. Außerdem gehört Wertschätzung dazu: Vereinsarbeit darf nicht in Papierbergen erstickt werden, sondern muss als das anerkannt werden, was sie ist – ein unbezahlbarer Beitrag zum Gemeinwohl und der Lebensqualität in unserer Stadt.

Frage:
Wie lässt sich der Bildungsstandort Aue-Bad Schlema stärken?

Antwort:
Voraussetzung Nummer eins ist der Erhalt der Schulstandorte in Aue und Bad Schlema. Dafür werde ich mich auch bei den entsprechenden Landesbehörden einsetzen. Darüber hinaus müssen unsere Schulen modern und zweckmäßig ausgestattet sein. Ich werde den Dialog mit Schulleitungen, Eltern und Schulträgern suchen, um Investitionen sinnvoll zu priorisieren, damit einerseits die Qualität bei den Gebäuden und Anlagen stimmt, aber die finanziellen Lasten für den städtischen Haushalt auch im Blick behalten werden können.